3. Plan: Motorauswahl
Ziel der Motorauswahl
Der Elektromotor muss zum Fahrzeuggewicht, zur gewünschten Fahrleistung und zum neuen Antriebsstrang passen. Da das bisherige Getriebe nicht weiterverwendet werden soll, ist eine Lösung gefragt, die als eigenständiger E-Antrieb sauber in das Fahrzeug integriert werden kann.
1. Leistungsziel definieren
- Stadt- und Landstraßenbetrieb: eher moderates Leistungsniveau mit gutem Anfahrmoment.
- Autobahnbetrieb oder schwerer Camper-Ausbau: höherer Dauerleistungsbedarf.
- Wichtig ist nicht nur Spitzenleistung, sondern vor allem Dauerleistung und thermische Reserve.
2. Drehmoment und Antriebskonzept
- Der E-Motor muss genügend Drehmoment für einen schwereren Camper-Betrieb liefern.
- Rekuperation, Anfahrverhalten und Dauerlast müssen zum geplanten Direktantrieb bzw. zur neuen Antriebseinheit passen.
- Wichtig ist eine Lösung, die ohne das bisherige Automatikgetriebe technisch sinnvoll und zulassungsfähig aufgebaut werden kann.
3. Einbauposition
- Motor in Serienlage oder nahe der ursprünglichen Motor/Getriebe-Einheit planen.
- Bauraum für Halter, Adapterplatte, Kupplungselement oder Wandleranbindung berücksichtigen.
- Zugang für Wartung und spätere Demontage vorsehen.
4. Mechanische Schnittstellen
- Motorlagerung, Anbindung an die neue Antriebseinheit und Achsanbindung entwickeln.
- Zentrierung, Wellenflucht und Lagerung exakt auslegen.
- Vibrations- und Lastspitzen über passende Lager, Träger und ggf. Sonderlösungen für Antriebswellen aufnehmen.
5. Passende Motorcharakteristik
- Synchronmotoren sind kompakt und effizient, oft aber komplexer in Steuerung und Kosten.
- Asynchronmotoren sind robust und für Umbauten häufig interessant.
- Gebrauchte OEM-Antriebe können wirtschaftlich sein, erfordern aber mehr Integrationsaufwand.
6. Nebenaggregate
- Falls Servopumpe, Unterdruckversorgung oder Klimakompressor nicht mechanisch angetrieben werden, müssen elektrische Alternativen eingeplant werden.
- Resolver, Encoder und Temperaturüberwachung müssen mit dem Inverter kompatibel sein.
7. Prüfpunkt für die Entscheidung
Der Motor ist erst dann passend gewählt, wenn folgende Punkte zusammenpassen:
- Leistung und Dauerlast
- mechanische Anbindung
- Inverter-Kompatibilität
- Bauraum
- Kühlkonzept
- Zulassungsfähigkeit
8. Drei geeignete Motor-Kandidaten vom Gebrauchtmarkt
Für dieses Projekt sind vor allem Antriebe interessant, die gebraucht gut verfügbar sind, ausreichend Leistung für einen Camper-Bulli bieten und bereits in Umbauten erprobt wurden.
| Merkmal | Tesla SDU (Model 3/Y Rear) | BMW i3 Motor | Nissan EM57 (Leaf) |
|---|---|---|---|
| Leistung | 200–250 kW (drosselbar sinnvoll!) | 125–135 kW | 80–110 kW |
| Drehmoment | ~350–450 Nm | ~250 Nm | ~250–320 Nm |
| Gewicht | ~100–120 kg | ~50–60 kg | ~70–90 kg |
| Motorposition Serie | Heck (RWD) | Heck (RWD) | Front (FWD) |
| Getriebe / Diff | integriert | integriert | integriert |
| Inverter | integriert (OpenInverter gut nutzbar) | integriert (Board Swap nötig) | integriert (OpenInverter gut nutzbar) |
| Elektronik-Aufwand | 🟢 gering–mittel | 🔴 hoch | 🟢 gering–mittel |
| Mechanik-Aufwand | 🔴 hoch (groß & schwer) | 🟢 gering | 🟡 mittel |
| Schmierung | 🔴 beachten (Einbaulage wichtig) | 🟢 unkritisch | 🟢 unkritisch |
| Antriebswellen | 🔴 aufwendig (Drehmoment + Breite) | 🟢 einfacher | 🟡 mittel |
| Größe / Bauraum | 🔴 relativ groß | 🟢 sehr kompakt | 🟡 mittel |
| Einbau-Kompatibilität T2 | 🟡 machbar, aber eng | 🟢 sehr gut | 🟢 gut |
| TÜV-Chancen | 🟢 gut (bekannter Umbau) | 🟡 mittel | 🟢 gut |
| Community / Doku | 🟢 sehr groß | 🟡 mittel | 🟢 sehr groß |
| Umbau-Komplexität gesamt | 🟡 mittel | 🔴 hoch | 🟢 mittel |
1. Nissan Leaf EM57
- Sehr interessanter Kandidat für Umbauten mit Fokus auf Preis-Leistung.
- Gebraucht oft gut verfügbar, weil viele Nissan-Leaf-Antriebseinheiten am Markt sind.
- Kompakt, vergleichsweise leicht und für einen Bulli mit
300 kmZielreichweite grundsätzlich gut kombinierbar. - Vorteil: gute Teileverfügbarkeit, viele Erfahrungswerte aus Umbauten.
- Nachteil: bei schwerem Camper-Ausbau kann thermische Reserve je nach Einsatzprofil begrenzt sein.
2. Tesla Small Drive Unit
- Einer der stärksten Kandidaten, wenn Fahrleistung, Autobahntauglichkeit und Reserven wichtig sind.
- Als gebrauchte Einheit relativ attraktiv, weil Tesla-Komponenten häufig am Gebrauchtmarkt auftauchen.
- Hohe Leistung und gutes Drehmoment, daher für
140 km/hund einen schweren Bulli sehr passend. - Vorteil: starke Performance und gute Effizienz.
- Nachteil: Integration, Packaging, Kühlung und Antriebswellen-Thematik sind anspruchsvoller.
🔵 Tesla Drive Unit
👉 elektrisch einfach – mechanisch aufwendiger
🟢 Inverter gut nutzbar (OpenInverter, viel Doku) 🟢 weniger Elektronik-Bastelei 🔴 groß & schwer 🔴 Einbau + Halter + Wellen anspruchsvoller
➡️ Fokus liegt auf Mechanik
Einbaulage, Schmierung muss umgebaut werden
3. BMW i3 Drive Unit
- Sehr interessante Alternative, wenn dir die Tesla Large Drive Unit zu groß und zu integrationsaufwendig ist.
- Gebraucht zunehmend verfügbar, weil BMW-i3-Komponenten immer häufiger aus Unfall- oder Ausschlachtfahrzeugen kommen.
- Kompakter als eine Tesla Large Drive Unit und für einen T2 oft realistischer zu verpacken.
- Vorteil: moderne OEM-Technik, gute Effizienz und ausreichend Leistung für Camper-Betrieb und das Ziel von
140 km/hje nach Übersetzung und Achskonzept. - Nachteil: Steuerung und Einbindung bleiben technisch anspruchsvoll, aber der Bauraumbedarf ist meist deutlich besser beherrschbar als bei der Large Drive Unit.
- Für dein Projekt vermutlich die passendere Alternative, wenn Bauraum, Einbaufreundlichkeit und Gewicht eine große Rolle
🟢 BMW i3 Drive Unit
👉 mechanisch einfach – elektrisch aufwendig
🟢 kompakt & leicht 🟢 passt besser in den T2 🔴 Inverter nur mit Board Swap nutzbar 🔴 deutlich mehr Elektronikarbeit
➡️ Fokus liegt auf Elektronikspielen.
Einbaulage besser als beim Tesla
4. Cascadia Motion iM-225 oder vergleichbare OEM-Drive-Unit aus dem Gebrauchtmarkt
- Sehr hochwertige moderne Lösung, technisch äußerst interessant.
- Falls als Gebrauchtteil oder aus Restposten erhältlich, eine sehr starke Option.
- Vorteil: moderne Antriebstechnik, gute Leistungsdichte, professionelles Niveau.
- Nachteil: am echten Gebrauchtmarkt deutlich seltener und meist teurer als Leaf- oder Tesla-Komponenten.
- Eher Premium-Option als reine Budget-Lösung.
9. Vorläufige Rangfolge für dein Projekt
Beste Gesamtoption
Tesla Small Drive Unit
- Sehr passend für einen Bulli mit Camper-Nutzung,
300 kmReichweite und140 km/hZielgeschwindigkeit. - Gute Reserven für Gewicht, Reiseeinsatz und spätere Abstimmung.
Beste Preis-Leistungs-Option
Nissan Leaf EM57
- Besonders attraktiv, wenn Kosten, Verfügbarkeit und Umbaufreundlichkeit im Vordergrund stehen.
Beste Alternative zur Large Drive Unit
BMW i3 Drive Unit
- Deutlich plausibler für dein Projekt, wenn die Tesla Large Drive Unit wegen Größe und Einbauaufwand ausscheidet.
- Bietet eine gute Balance aus Bauraum, Effizienz und brauchbarer Leistung.
Beste High-End-Option
Cascadia Motion iM-225
- Technisch top, aber eher dann interessant, wenn ein gutes Gebrauchtangebot auftaucht.
10. Empfehlung für die nächste Auswahlrunde
Für die nächste Projektphase würde ich zuerst diese drei Wege konkret vergleichen:
- Tesla Small Drive Unit
- Nissan Leaf EM57
- BMW i3 Drive Unit
Dazu sollten anschließend geprüft werden:
- reale Verfügbarkeit auf dem Gebrauchtmarkt
- Einbaumaße
- Gewicht
- Kühlbedarf
- Antriebswellenlösung
- Kompatibilität mit Inverter und Steuerung
- TÜV-seitige Dokumentierbarkeit
Auswahl ist erfolgt
Es soll der BMW I3 sein
Materialien
| Artikel | Zustand | Geschätzt | Real |
|---|---|---|---|
| Motor + Openinverter | Neu | 1.000,00 EUR | - |
| Kühlung | Neu | 200,00 EUR | - |
| Motorhalter | Neu | 400,00 EUR | - |
| Motorraum schön machen und Kleinteile | Neu | 200,00 EUR | - |
| Gesamtsumme | 1.800,00 EUR | - | |